Das Wesen der Religion
„Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen [...] gleicht.“Römer 1,22-23
Das Bilderverbot ist zunächst ganz wörtlich zu verstehen! Der Mensch soll sich kein Bild schaffen und zu seinem Gott erklären. Doch das Verbot geht tiefer. Dem äußeren Götterbild geht immer ein inneres Bild voraus. Das Bilderverbot gilt bereits dem Herzen. Denn wenn der Mensch buchstäblich ein Bild aufstellt, ist es bereits zu spät. Dann ist Gott schon längst verworfen und ein Ersatzgott geschaffen! Sobald sich der Mensch ein Bild von Gott macht, kann er darüber verfügen. Er kann es groß oder klein machen, vergolden, grün oder blau anstreichen und vieles mehr.
Der Mensch gestaltet und verwaltet seinen Gott. Das entspricht dem Wesen der Religion! Gott wird der Religion unterworfen. Wie gefährlich das sein kann, zeigt der erste Mord der Menschheitsgeschichte, unmittelbar nach einem Gottesdienst. Er konnte geschehen, weil Kain in der Illusion lebte, dass sein (Bild von) Gott den tödlichen Hass auf seinen Bruder und das fromme Gebet unter einen Hut bringt. In diesem Sinne sind alle Religionen „kainitisch“. Der Mensch übernimmt die Verfügungsgewalt über seinen Gott, damit selbst Mord gerechtfertigt wird.
Durch das 2. Gebot aber entzieht sich Gott der menschlichen Verfügungsgewalt. Nicht der Mensch macht sich ein Bild von Gott, sondern Gott bildet sich sein Urteil über den Menschen. ER kennzeichnet den Täter mit dem Kainsmal – zu seinem eigenen Schutz
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