Die Aalwanderung
„Meine Gedanken sind nicht wie eure Gedanken, und eure Wege nicht wie meine Wege!“Jesaja 55,8
Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) lebt bei uns in Europa in vielen Süßgewässern. Jeder einzelne, der bei uns beheimateten Aale, wurde jedoch in der Sargassosee im Westatlantik, 6000 km von uns entfernt, geboren. Dort haben die Elterntiere abgelaicht – in 5000 Meter Tiefe. Nachdem sie aus den Eiern geschlüpft sind, wandern die kleinen Larven drei Jahre lang nach Europa zurück, ernähren sich währenddessen von Plankton. Im Mündungsgebiet der Flüsse angekommen, müssen die Glasaale, wie man sie in jenem Stadium nennt, sich erst einmal an das Süßwasser gewöhnen – im Salzwasser arbeitet die Osmoregulation (Wasser- und Salzhaushalt) genau umgekehrt.
Die Europäischen Aale sind mit dieser Fähigkeit einzigartig auf der Welt. Anschließend wandern die Steigaale die Flüsse hinauf. Das heißt: gegen den Strom. Ein Aal ist ein einziger Muskel und kann sogar bergauf springen. 10–15 Jahre später: die Alttiere werden unruhig, spüren einen unbändigen Wanderdrang. Sie machen sich auf, flussabwärts, ins Mündungsgebiet, müssen dort wieder ihre Osmoregulation umstellen, und wandern dann 6000 km Richtung Westen, zu ihrem Geburtsort. Dort laichen sie ab und sterben. Der Zyklus beginnt von Neuem. Verrückt? Nein, des Schöpfers Gedanken. ac
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