Der schuldfähige Mensch
„Wenn ihr blind wärt, dann wärt ihr ohne Schuld. Weil ihr aber behauptet, Sehende zu sein, bleibt eure Schuld.“Johannes 9,41
Politesse: „Sie dürfen hier nicht parken.“ Autofahrer: „Aber es ist weit und breit kein Parkverbotsschild zu sehen!“ Wir halten es für selbstverständlich, dass man für das Übertreten von Regeln, die man nicht in Erfahrung bringen konnte, nicht bestraft werden kann. Umgekehrt gilt das Prinzip aber genauso. In Bezug auf Gott sagt Jesus: Wer blind ist, kann nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Er hat keine Schuld vor Gott. Gott ist nicht unfair, sondern der „Richter der Erde“, der sich selbst an das Recht hält (1. Mose 18,25).
Doch denken Sie nicht, Sie seien blind, weil Sie keine christliche Erziehung genossen haben oder sich nicht in der Bibel auskennen. Allein das Lesen dieser Zeilen gibt Ihren Augen schon ein kleines bisschen Licht. Mehr noch, wer wirklich blind ist, müsste doch nach nichts mehr verlangen als nach Augenlicht! Die Pharisäer, zu denen Jesus obigen Satz spricht, hielten sich für Sehende, weil gelehrt in den Schriften und Traditionen der Juden. Und doch waren sie für die Tatsache blind, dass sie den Sohn Gottes vor sich hatten.
Schlimmer noch: sie hatten kein Verlangen, sehend zu werden. Die Entscheidung, ob wir Gott wirklich – wirklich – kennen lernen wollen, liegt bei uns. Auch hierin sind wir schuld-fähig. ac
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